Wiederholte und/oder anhaltende Bindungsunterbrechungen der Bezugsperson des Kindes führen zur Entstehung von Entwicklungstraumata.

Beispiele dafür sind:

  • Wenn das Kind Kummer hat und der Schmerz nicht gesehen oder ernst genommen wird.
  • Ein Kind ist fröhlich und möchte zeigen, was es Tolles gemacht hat, und wird nicht gehört bzw. gesehen.
  • Das Kind muss für eine OP ins Krankenhaus und wird von der Bezugsperson getrennt.
  • Wenn ein Kind weder seine Gefühle noch Bedürfnisse zum Ausdruck bringen darf. 
    • Es wird bestraft indem es allein gelassen oder
    • durch Gewalt zur Ruhe gezwungen wird, wenn es versucht seine Gefühle oder Bedürfnisse auszudrücken.
  • Häufige Umzüge, der Verlust sozialer Kontakte, wie Freundschaften. können zu schmerzhaften Erfahrungen werden.
  • Gewaltandrohung
  • Gewalterfahrungen, wie Prügel, Aus- und Eingesperrt werden
  • Bedrohliche Atmosphäre in der Familie, wie ständiger Streit
  • Suchterkrankungen eines oder beider Elternteile usw.

Daraus entsteht für das Kind ein verzerrtes Bild von sich selbst und von seiner Sicht auf die Welt. Es beginnt zu denken, dass es nicht in Ordnung sei, so wie es ist. Die oben aufgeführten Erfahrungen prägen den Betroffenen oft ein Leben lang, ohne dass dieser einen Bezug zur Ursache findet.

Auswirkungen von Entwicklungstraumata auf Gehirn und Nervensystem

Die Auswirkungen auf das Gehirn, das unter anderem für die Herstellung von Botenstoffen und die Regulierung des Nervensystems zuständig ist, werden häufig unterschätzt.

Symptome, mit denen betroffene Kinder und Erwachsene zu tun haben, sind:

  • Übererregbarkeit
  • Ängste / Zwänge
  • Nicht runterfahren können
  • Rasende Gedanken
  • Schwierigkeiten, wirklich im Hier und Jetzt zu sein
  • Sich nicht verbunden fühlen mit sich und der Welt
  • Gehetzt im Denken und Handeln
  • Schwierigkeiten zu lernen
  • Ein- und Durchschlafprobleme
  • Nervosität
  • Magen und Darmbeschwerden
  • Quälende Gedanken

Bei einem Entwicklungstrauma steht das Nervensystem unter ständiger Anspannung und ist auf Hochleistung. Das Gehirn und das Nervensystem sind die ganze Zeit damit beschäftigt, sich zu regulieren, runterzufahren. Gleichzeitig sind die Gedanken damit beschäftigt, alles richtig zu machen, in Ordnung zu bringen und die Arbeiten noch fertig zu machen. Der Betroffene wirkt oft gehetzt, rastlos, ohne Bezug auf sich selbst oder seine Mitmenschen.

Genauso kann diese ständige Anstrengung auch dazu führen, dass sich das Nervensystem „scheinbar“ runterfährt. Die Gedanken kreisen häufig um die eigene Wert- und Hilflosigkeit. Der Antrieb ist eher schlapp und wirkt träge. Der Körper wirkt wie kollabiert. Die Bewegungen sind oft langsam und werden nicht bis zum Ende ausgeführt. Das Aufstehen und die täglichen Aufgaben sind beschwerlich und anstrengend.

Emotional sind die Betroffenen entweder sehr zurückhaltend oder impulsiv.